Energieversorger: Vom „UTILITY“ zum „FLEXITILITY“

Ein Gastbeitrag von Thorsten Lenck, Energy Brainpool GmbH & Co. KG

In einem dezentralen Strommarkt, der geprägt ist durch eine Vielzahl diverser Akteure und Trends, sind vor allem (kommunale) Energieversorger vor die Herausforderung gestellt, sich zeitnah anzupassen und dadurch ihre Position am Markt auch langfristig zu sichern.

Aktuelle Marktentwicklungen wie Prosuming und E-Mobility fordern nicht nur vom Strommarkt steigende Flexibilität und Digitalisierung, sondern auch von den Energieversorgern, insbesondere den Stadtwerken.
Technische Innovationen, politische Rahmenbedingungen, Globalisierung und vor allem die Digitalisierung führen dazu, dass künftig klassische Geschäftsmodelle an Bedeutung verlieren werden. Eine reine Fokussierung auf Energiebeschaffung und -vertrieb wird mit steigendem Anteil der erneuerbaren Energien nicht ausreichen, die Deckungsbeiträge der steuerbaren Kraftwerke langfristig zu sichern.
Der Energiemarkt der Zukunft ist geprägt durch Flexibilität und Digitalisierung: Die Erzeugung muss sich an die Nachfrage anpassen und umgekehrt. Mit zunehmender Digitalisierung erfolgt diese Anpassung immer kleinteiliger und kurzfristiger. Hier bieten z. B. die Regelleistungs- und Spotmärkte für flexiblere, steuerbare Kraftwerke das Potential effektiv auf fluktuierende und immer häufiger auftretende negative Preise zu reagieren. Neue Geschäftsfelder tun sich auch in Speichern, Power-to-X-Technologien und dem Lastmanagement auf.

Die Energieversorgungsunternehmen entwickeln sich von reinen „Utilities“ hin zu „Flexitilities“.

Der Fokus auf die Kilowattstunde verlagert sich in Richtung der Services für Kunden, Lieferanten und andere Stakeholder im Markt. Die dafür benötigten Informationskonzepte zur Berücksichtigung der gegenseitigen Abhängigkeiten werden komplexer. Auch die Finanzierung und Investitionsentscheidungen müssen sich an die gegebenen Bedingungen anpassen. Kooperationen und eine resultierende Ausweitung der Geschäftsfelder und Angebote bieten hierbei Potential für langfristigen Erfolg.

Der Wandel vom „Utility“ zum „Flexitility“ muss sich ganzheitlich vollziehen.

Für die Anpassung an den Strommarkt der Zukunft muss zunächst die wirtschaftliche Relevanz eines solchen Wandels erkannt und verstanden werden. Darauf folgt die Implementation des Change Managements über alle Geschäftsfelder und Geschäftshierarchien hinweg – interner und externer Wandel gehen hierbei Hand in Hand.
Für kommunale Energieversorger gilt es also, sich selbst zum innovativen Player in der Energiebranche zu entwickeln und durch Maßnahmen wie Digitalisierung, der Einführung neuer Geschäftsmodelle, der Einbeziehung von Kunden und Eigenversorgern sowie flexiblen Angeboten für Großkunden und Kooperationen ihre Stellung langfristig zu sichern.

Zum Autor:

Thorsten LenckThorsten Lenck (Dipl.-Ing.) hat Energie- und Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Berlin studiert. Seine berufliche Laufbahn begann er bei internationalen Infrastrukturberatungsgesellschaften und wechselte 2006 zu Energy Brainpool. Dort verantwortet Thorsten Lenck den Geschäftsbereich Beratung mit den Schwerpunkten Portfolio- und Risikomanagement für Energieversorgungsunternehmen sowie Beratung zur Energiepolitik für Unternehmen und Verbände. Bereits im Studium beschäftigte er sich mit der Marktintegration erneuerbarer Energien. Bei Energy Brainpool verfasste er Studien und leitet deren Erstellung unter anderem zu den marktseitigen Wirkungen des Ausbaus erneuerbarer Energien, deren Marktintegration, der Markttransformation und der Entwicklung des Stromverbrauchs sowie der EEG-Umlage. Als zertifizierter Trainer führt Thorsten Lenck zudem Händlerschulungen zum Spot- und Terminmarkt im Auftrag der EPEX Spot und der European Energy Exchange (EEX AG) durch. Zudem ist er Sachverständiger beim Bundesumweltministerium (BMUB) und unterstützte die Erstellung des Weißbuchs zum Strommarktdesign des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi).

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