Entwicklung einer Digitalisierungsroadmap

Ein Gastbeitrag von Stefan Mierzowski, c.con Management Consulting GmbH

Die digitalen Handlungsoptionen sind bekannt vielfältig und erstrecken sich von der Nutzung digitaler Arbeitsmittel und -weisen, über die zunehmende Digitalisierung von Prozessen und Schnittstellen, den Ausbau digitaler Wege der Kundenansprache, bis hin zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. All dies birgt zudem, langfristig und konsequent zu Ende gedacht, immer eine Transformation der Unternehmenskultur und der Aufbau- und Ablauforganisation in sich.

Bei all den Möglichkeiten stellen sich den Unternehmen meist unterschiedliche Fragen, wie zum Beispiel: Was ist alles Digitalisierung? Was mache ich bereits? Was ist noch zu tun und wo sollte ich beginnen? Wie vermeide ich gegenläufige Entwicklungen? Wo lohnt es sich am meisten, zu investieren?

Entwicklung einer Digitalisierungsroadmap

Erste Antworten auf diese Fragen liefert eine Digitalisierungsstrategie mit einer zugehörigen Roadmap. Die Roadmap skizziert dabei ein Bündel an Maßnahmen in verschiedenen Kategorien, die man im Sinne der definierten strategischen Ausrichtung, sinnvoll und in Abhängigkeit zueinander, in eine zeitliche Reihenfolge bringt. Dabei wird zusätzlich in Quick Wins, Brennpunkte und langfristige Themen unterschieden. Zur Entwicklung der Digitalisierungsstrategie und Roadmap bietet sich erfahrungsgemäß ein Vorgehen in fünf Schritten an:

Am Anfang steht eine Analyse des Ist-Zustands. Bestehende Aktivitäten im Unternehmen werden gesichtet und im Themenfeld Digitalisierung eingeordnet. Anhand eines umfassenden Kataloges mit Digitalisierungsmerkmalen in den Dimensionen Markt, Kunden, Prozesse, Technologie und Unternehmenskultur wird geprüft, inwieweit diese bereits im Unternehmen vorhanden sind. Anschließend werden die bereits laufenden Digitalisierungsaktivitäten hinsichtlich ihrer monetären und strategischen Bedeutung bewertet. Hinzu werden interne und externe Entwicklungen auf potenzielle Chancen und Risiken hin untersucht. Ergebnis der Bestandsaufnahme ist ein erstes, umfassendes Bild des Digitalisierungsstatus im Unternehmen.

Darauf aufbauend ist die strategische Zielpositionierung zu definieren, die man in einem festgelegten Zeitraum erreichen möchte. Dazu sind auf Basis der zuvor identifizierten kritischen internen sowie externen Entwicklungen im Rahmen der Digitalisierung strategische Handlungsfelder abzuleiten. Ergebnis sind definierte Leitplanken für die digitale Transformation.

Im nächsten Schritt gilt es, auf Basis der erzielten Erkenntnisse die bereits laufenden Aktivitäten zu priorisieren sowie weitere Maßnahmen zur Umsetzung der Handlungsfelder abzuleiten und diese zu bewerten und zu priorisieren.

Anschließend erfolgt die Erstellung der tatsächlichen Roadmap, dem Fahrplan zum Ausbau der Digitalisierungsfähigkeit, der sicherstellt, dass die notwendigen Handlungen zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt und die Digitalisierung im Unternehmen zielgerichtet vorangetrieben wird.

Bild 1: Beispielhafte Maßnahmen für einen Netzbetreiber, geclustert und priorisiert, als Basis für eine Roadmap
Bild 1: Beispielhafte Maßnahmen für einen Netzbetreiber, geclustert und priorisiert, als Basis für eine Roadmap
Bild 2: Beispielhafte Roadmap mit drei Zeithorizonten (kurz-, mittel- und langfristig)
Bild 2: Beispielhafte Roadmap mit drei Zeithorizonten (kurz-, mittel- und langfristig)

Nicht zu vernachlässigen ist die konsequente Überwachung der Roadmapumsetzung. Verantwortliche, Zielergebnisse und eine detaillierte Zeitplanung für die einzelnen Maßnahmen werden festgelegt sowie ein zielgerichtetes und im Unternehmen sichtbares Umsetzungsmonitoring aufgesetzt.

Erfolgsfaktoren bei der Entwicklung der Digitalisierungsstrategie

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Entwicklung der Digitalisierungsstrategie und Roadmap ist der Gesamtblick. Nur durch die Betrachtung aller relevanten Dimensionen sowie interner und externer Entwicklungen lässt sich ein umfassendes und realistisches Bild des Status quo schaffen, auf dem weiter aufgebaut werden kann.

Digitalisierung zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität und Geschwindigkeit aus, die es erfordert, diese auch in die Projekt- und Entwicklungsmethoden zu überführen. Hierzu kann zum Beispiel auf agilen Methoden der Softwareentwicklung aufgesetzt werden.

Des Weiteren ist es von Bedeutung, eine realistische Zeitschiene mit fixen Meilensteinen zu wählen, sodass die gesteckten Ziele auch wirklich erreicht werden können. Im Zweifel gilt es, eher die Inhalte zu reduzieren, als den Meilenstein zu reißen. Dies fällt mit agilen Ansätzen leichter.

Ferner gilt es, die Transformation der Unternehmenskultur nicht zu unterschätzen. Die Mitarbeiter müssen bei der Anwendung neuer IT-Lösungen, agiler Methoden und neuer, weniger hierarchischer Arbeitsweisen intensiv begleitet werden. Dies muss als zusätzliches Thema in der Roadmap berücksichtigt werden.

Die Digitalisierungsstrategie sollte kein Wunschkonzert sein und damit überfrachtet mit nicht realistischen Zielen. Sie sollte vielmehr ein in den nächsten fünf Jahren konkret messbares und damit erreichbares Zielbild sein. Dies hilft insbesondere bei der Priorisierung von Maßnahmen und der Entscheidungsfindung zur Abfolge der Maßnahmen.

Nutzen der Digitalisierungsstrategie

Die Digitalisierungsstrategie und Roadmap geben einen klar definierten und strukturgebenden Pfad für die Aktivitäten, Maßnahmen und Projekte zur Weiterentwicklung im Unternehmen vor. Die Führungskräfte und Mitarbeiter haben ein klares Bild vor sich, das zeigt, wohin die Reise geht und dass diese, einmal angefangen, konsequenterweise auch Veränderungen mit sich bringen wird.

Zum Autor:

Stefan MierzowskiStefan Mierzowski ist Geschäftsführer der c.con Management Consulting  und  Mitglied  der  Geschäftsleitung der cronos Unternehmensberatung GmbH. Er berät seit 20 Jahren Unternehmen aus dem energiewirtschaftlichen Bereich.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.