Kommunale Accelerators im Porträt: Freischwimmer Ludwigshafen

Kommunale Accelerators im Porträt: Freischwimmer Ludwigshafen

Wer heute in das ehemalige Ludwigshafener Hallenbad Nord geht, lässt den Badeanzug zuhause. Stattdessen gehört Lust auf Innovation in die Tasche. Eine Tochter der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) hat das denkmalgeschützte Gebäude aus den 1950er Jahren gekauft und ein modernes Coworking-Zentrum daraus erschaffen. Der Name wird der Historie auch in der neuen Funktion gerecht: Willkommen im Freischwimmer.

KommunalDigital News Freischwimmer Ludwigshafen

Das ehem. Lehrschwimmbecken wurde zum Veranstaltungsraum umgebaut. © VKU

Seit der Eröffnung im Sommer 2017 hat die Freischwimmer GmbH schon viele kreative Köpfe zusammengebracht. Gründerinnen und Gründer tauschen sich hier untereinander oder mit anderen aus, denn es finden sich in dem Innovationszentrum neben Startups auch freiberuflich Schaffende oder Digitalisierungsexperten lokaler Unternehmen zusammen. Sie arbeiten gemeinsam oder jede/r für sich – Seite an Seite in moderner und kreativer Atmosphäre. Zum Beispiel hat ein Pumpen- und Amaturenhersteller aus der Region sein Innovationsteam in den Freischwimmer entsandt, damit es abseits des Konzerngebäudes in einer ungewöhnlichen und inspirierenden Umgebung arbeiten kann.

Auch das Startup Nexol Photovolthermic, das sich auf Wassererwärmung durch PV-Anlagen spezialisiert hat, nutzt die voll ausgestatteten und modernen Arbeitsplätze. Insgesamt 60 davon gibt es im Coworking-Space, man kann sie tageweise oder über einen längeren Zeitraum anmieten. Es gibt auch einen Raum für Veranstaltungen, in dem bis zu 80 Personen Platz finden. Teile der Architektur der alten Badeanstalt konnten beim Umbau erhalten bleiben, was dem Ort einen besonderen Charme gibt. Das Publikum sitzt im ehemaligen Schwimmbecken, umrahmt von den gleichen hellblauen Fliesen wie damals. Auch die VKU Innovation war hier vor Kurzem bereits zu Gast und hat die inspirierende Atmosphäre für einen spannenden Workshop mit einem VKU-Mitgliedsunternehmen genutzt. Motto: Freischwimmen und den Blick für neue Geschäftsfelder öffnen!

Neben Gründer-Events wie etwa dem Startup-Weekend, bei dem viele kleine Teams in 54 Stunden zusammen mit Mentoren aus verschiedensten Bereichen Prototypen für konkrete Aufgaben entwickeln, wurde es im August 2018 nicht nur digital, sondern auch politisch. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hatte zum ersten Digitalforum geladen. Rund 350 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Bildung und Wirtschaft kamen zusammen um die digitale Zukunft des Landes zu diskutieren. Ministerpräsidentin Malu Dreyer war auch vor Ort und ließ sich zusammen mit allen anderen von der Digitalisierungsbeauftragten der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz Heike Raab ihren Vorschlag für eine Digitalstrategie vorstellen.
 

Neues Jahr, neue Vorhaben

Die Geschäftsführerin des Freischwimmers Stephanie Henn schaut positiv auf die Zeit seit der Eröffnung zurück und genauso gespannt in die Zukunft, denn es gibt schon spannende Pläne. Henn: „Im Sommer 2019 wollen wir mit einem neuen Projekt starten: der Freischwimmer Academy. Der Fokus der Academy konzentriert sich auf die Themenbereiche Innovation, Digitalisierung und kulturelle Transformation. Es wird Workshops zu Themen wie Design Thinking, Business Model Canvas und Leadership geben. Einige der Mentoren werden dabei über die neue Corporate Membership gewonnen, ein Großteil kommt jedoch aus dem Freischwimmer-Netzwerk. Wir freuen uns auf den Start und sind sicher, dass wir mit der Academy einen weiteren unterstützenden Beitrag für eine lebenswerte digitale Zukunft der Unternehmen leisten können.“

Auf das Thema Leadership wollen die Betreibenden des Freischwimmers einen besonderen Fokus legen. Damit treffen sie den Nerv der Zeit. Denn Werte, Haltung und Agilität im Führungsverhalten sind Punkte, deren Bedeutung im digitalen Zeitalter stetig größer geworden ist. Sie sind längst nicht mehr nur in der Startupszene selbstverständlich, sondern entwickeln sich auch im kommunalen Umfeld immer stärker zu Dauerbrennern. Zeitgleich zur Academy ist außerdem der Start des Accelerator as a Service geplant: einem Programm, in dem Unternehmen den Freischwimmer beauftragen, eigene Ideen oder auch Geschäftsmodelle von Startups zu qualifizieren und zu verifizieren. Wer hätte vor über 60 Jahren gedacht, dass ins kalte Wasser springen in der Badeanstalt mal ganz ohne Nass gemeint sein könnte.

 

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