Kommunale Accelerators im Porträt: Infralab Berlin

Kommunale Accelerators im Porträt: Infralab Berlin

Neuen Ideen zur Umsetzung verhelfen, junge Entrepreneure in der Region halten, Erfahrung und Innovation verbinden – das sind Ziele von Acceleratoren. Sie bringen die passenden Partner zusammen: Erfahrene kommunale Unternehmen mit einer Millionenkundschaft treffen auf digitale Startups voller Ideen und Tatendrang. Mit der Gründung von Accelerator Spaces schafft die Kommunalwirtschaft in Deutschland eine zentrale Plattform, die sprichwörtlich den Turbo zündet. Hinzu kommt der Vorteil Marktzugang. Statt „trial and error“ entwickeln die Startups in einem Accelerator ihre Geschäftsidee strukturiert bis zur Marktreife. In dieser Serie stellen wir einige der Accelerator Spaces genauer vor und zeigen, welche aktuellen Innovationen dort entstehen.

Von der Talkshow-Produktionsstätte zum Labor für Smart Cities

Co-Working, Co-Creation und Kooperationen mit großen Ver- und Entsorgern Berlins: Mit dem InfraLab in der deutschen Hauptstadt bündeln gleich sechs kommunale Unternehmen ihre Kompetenzen, um Innovationen im Bereich Smart City voranzutreiben. Dort wo einst Günther Jauch mit seiner Produktionsfirma Talkshows produzierte, sitzen heute Startups und Gründer auf der Suche nach der besten Idee, ebensoviele Kunden und im Idealfall auch den monetären Erfolg.

Mitarbeiter, die zu Gründern werden

Das InfraLab Berlin ist ein Denk- und Arbeitsraum, ein Ort für Experimente. Es steht für die Weiterentwicklung visionärer Ideen für ein nachhaltigeres Berlin. Die Schwerpunkte liegen auf Digitalisierung, Klimaneutralität, Elektromobilität und Kreislaufwirtschaft. Dafür arbeiten die drei VKU-Mitglieder GASAG (GASAG & NBB), Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) und Berliner Wasserbetriebe (BWB) mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), Vattenfall (inkl. Stromnetz Berlin) und Veolia seit zwei Jahren zusammen. Dazu haben sie die Räume direkt neben dem Gasometer in Berlin Schöneberg in ein Zukunftslabor verwandelt.

Startups können hier ihre Ideen präsentieren, Kontakte knüpfen, Netzwerke aufbauen und natürlich ihre Geschäftsideen verwirklichen. „Bei uns arbeiten nicht nur Startups von außen“, erläutert Jan Holthusen, Projektmanager beim Infralab Berlin, der zugleich Angestellter bei der Berliner Stadtreinigung ist. „Auch Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen werden einbezogen und bringen ihr Wissen in Ideenworkshops ein. Entsteht daraus eine Geschäftsidee, können sie ins Infralab gehen und an der Realisierung arbeiten.“ Aktuell befinden sich mehrere Projekte in der Umsetzung und müssen nun zeigen, was in ihnen steckt. Denn in einem Jahr wird Bilanz gezogen und entschieden, wie es mit dem Infralab weitergeht. „Die Arbeit der letzten zwei Jahre wird zunehmend sichtbar und lässt das Potential deutlicher erkennen“, so Holthusen. „Je konkreter die Ideen werden und Gestalt annehmen, umso besser können wir den Spirit aus dem Infralab in die Unternehmen zurück tragen.“ 

Digitale Kehrmaschine dank Enway

Betrifft eine Idee nicht alle sechs kommunalen Unternehmen, arbeiten nur die interessierten Akteuere mit dem Startup zusammen. So wie beim am weitesten fortgeschrittenen Projekt aus dem Infralab Berlin: Das Startup Enway entwickelt gemeinsam mit der Berliner Stadtreinigung eine autonom arbeitende Straßenkehrmaschine. Neues Software-Wissen trifft dabei auf die Expertise der Stadtreinigung und des Fuhrparkmanagements. Die drei Gründer sind schon weit gekommen: Sie haben das Unternehmen gegründet, Mitarbeiter angestellt und finanzielle Mittel eingeworben. Ein Prototyp fährt schon seit längerem über kleinere Straßen und wird kontinuierlich verbessert. Das kompakte Kehrpaket erkennt Hindernisse und entscheidet, ob es möglichst nah ranfahren kann, wie bei Bordsteinkanten und Straßenlaternen oder ob es sofort stoppen muss, beispielsweise wenn ein großer Karton die Maschine verstopfen würde. 

Sensornetzwerk für IoT-Anwendungen

Ein weiteres Beispiel für die smarten Ideen im Infralab sind Lösungen für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Fünf der sechs Partner und Studierende zweier Hochschulen arbeiten an einem innovativen Sensornetzwerk. Um den Datenaustausch der meist batteriebetriebenen Sensoren von IoT-Anwendungen sicher und energieeffizienter zu machen, arbeiten die Projektpartner an einer Übertragungslösung, die weniger Energie verbraucht, niedrigere Kosten verursacht und mit einer hohen Datensicherheit für alle Projektteilnehmer gewinnbringend ist.

Holthusen: „Das Internet of Things (IoT) ist bei zahlreichen Projekten ein dichter Ansatz für die weitere Entwicklung und auch Künstliche Intelligenz wird für die Smart City Berlin eine immer größer werdende Rolle spielen. Nachhaltigkeit und eine bessere Lebensqualität stehen im Fokus aller Projekte im Infralab. Damit soll ein wichtiger Beitrag für die städtische Entwicklung geleistet werden, denn das Kooperationsprojekt dient nicht nur den eigenen Aktivitäten der sechs Partner, sondern auch der Umsetzung von Smart City Projekten in enger Zusammenarbeit mit Politik, Industrie und Wissenschaft.“

Zum Profil von Enway

 

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