Neue Einblicke von hoch oben – in Kassel fliegen erste Drohnen für die Kommunalwirtschaft

Neue Einblicke von hoch oben – in Kassel fliegen erste Drohnen für die Kommunalwirtschaft

Dass Drohnen viel mehr können oder können werden, als Wettfliegen und Päckchen liefern, ist längst kein Nischenwissen mehr. Wie Drohnen in kommunalwirtschaftlichen Bereichen ein echter Mehrwert sein können, weiß Benjamin Federmann. Er ist CEO und Mitgründer des Drohnen-Startups doks. innovation.

Vermessen und dokumentieren aus der Luft

Auf seiner Website fragt doks. innovation „Interesse mit uns zu fliegen?“. Die Städtischen Werke Netz + Service GmbH (NSG) in Kassel haben Interesse und luden Federmann zu sich ein. Dieser hatte das kommunale Unternehmen kontaktiert, um gemeinsam ein Projekt durchzuführen und es beim Stadtwerkekongress 2019 in Kassel zu präsentieren.

In einem persönlichen Termin stellte der Gründer vor, wie der Einsatz von Drohnen verschiedene Anwendungsgebiete der NSG effizienter machen kann. doks. innovation ist vor allem spezialisiert auf Logistikprozesse und Bestandserfassung, kann aber auch bei solchen Vermessungs- und Dokumentationsaufgaben unterstützen, wie sie im vereinbarten Pilotprojekt mit der NSG zu lösen waren.

Für das Pilotprojekt sollte eine Drohne Luftaufnahmen der geplanten Baustelle eines Kasseler Straßenabschnitts von 400 m Länge machen. In dem Abschnitt sollten unter anderem auch alle Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert werden. Für Federmann war neben der erfolgreichen Vermessung und Dokumentation ein weiterer Punkt wichtig. „Unser Ziel war es auch, zu beweisen, dass durch den Einsatz von Drohnen bei der Vermessung, der Baufortschrittskontrolle und -dokumentation in erheblichem Maß Kosten und Zeit gespart werden können.“ Denn mit einem deutlichen Effizienzversprechen tritt das Startup an den Markt: bis zu 80 Prozent Zeit- und 90 Prozent Kosteneinsparung.

Enorme Zeitersparnis durch die Drohne

Die Projekt-Baustelle hat die NSG zum Vergleich parallel zur Drohne auch konventionell mit Tachymeter und GNSS vermessen. Die Drohne hat mit zwei automatisierten Befliegungen in unterschiedlichen Höhen Daten aufgenommen. Dazu brauchte sie acht Minuten. Die Daten wurden danach – ebenfalls automatisiert – zu Orthofotos, digitalen Geländemodellen und Punktwolken weiterverarbeitet. Die NSG hat die Datensätze anschließend in ihr Geoinformationssystem (GIS) integriert und konnte damit die Lage der neuen Versorgungsleitungen bestimmen.

Die Prozesszeiten für eine komplette Baustellenvermessung konnte von einer Woche mit zwei Personen auf acht Minuten im Feld sowie auf weitere 30 Minuten im Büro reduziert werden. Durch die digitale Dokumentation können die Daten zudem jederzeit für weitere Planungen mit der vermessenen Stelle verwendet werden.

Wenn auch die Genauigkeit der Vermessung auf etwa einen Dezimeter für die Leitungsdokumentation gemäß der technischen regeln ausreicht, kann der Drohneneinsatz in einem Punkt noch keine ausreichende Erkenntnis bringen: Aus den Luftaufnahmen kann man keine Sachattribute erkennen, wie Material oder Querschnitt. Das ist für die NSG aber essenziell. „Wir suchen nach einer Lösung, mit der wir alle Leitungen genau und mit allen Attributen im GIS planen und sie mit Hilfe der Orthofotos aus der Drohnenbefliegung in die exakte Lage verschieben können“, erklärt Peter Friesen, Leiter GIS-Service bei der NSG. „Ob und wie man die fehlende Attributdokumentation lösen könnte, dazu sind wir mit doks. innovation bereits im Gespräch.“ Ist diese Herausforderung geschafft, steht der Ablösung der Gebietsvermessung mit konventionellen Mitteln durch Drohnen nichts mehr im Weg, denn die objektscharfe Planung im GIS stellt Friesen zufrieden.

Praktische Erfahrungen durch kompetente Partner

Die NSG ist seit einiger Zeit dabei, den Prozess der Vermessung und Dokumentation von Gebieten zu optimieren, da wegen altersbedingter Abgänge die Personalstärke sinkt und die Stellen möglichst nicht neu besetzt werden sollen. Der Prozess soll langfristig vollständig digitalisiert werden, dadurch Effizienz bringen, Medienbrüche vermeiden und die Qualität der Daten erhöhen. Die Zusammenarbeit mit doks. innovation hält Friesen deshalb für notwendig und zielführend, da das Startup Knowhow und Ausrüstung mitbringt, die der Versorger nicht hat oder hatte. „Wir konnten so praktische Erfahrungen in Bereichen gewinnen, an die wir uns ohne einen kompetenten Partner nicht herangetraut hätten.“

Der Einsatz von Drohnen im Bereich Vermessung stellt für die NSG eine Ergänzung dar, die bei entsprechender Weiterentwicklung der Software derzeitige Vorgehensweisen zukünftig ersetzen kann. Doch auch andere Bereiche der NSG haben Ihr Interesse an luftgestützter Datenerfassung bekundet. In einem neuen geplanten Projekt geht es darum, mittels Drohnen Gasleckagen aufzuspüren. Spannendes zu lernen wird es für die NSG sicherlich auch bei diesem Vorhaben geben.


>> Zum Profil der Städtischen Werke Netz + Service

>> Zum Profil von doks. innovation

 

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